Grenzen der Reproduktionsmedizin

Ein Klick in die Suchmaschine des Internet, und es öffnet sich die weite Welt der so genannten Fortpflanzungsmedizin. Ob Großbritannien, die USA, Italien oder die Ukraine, viele Länder versprechen die Erfüllung des Kinderwunsches in Formen, die in Deutschland auf Grund des Embryonenschutzgesetzes so nicht erlaubt sind. Wenige Mausklicks weiter kann aus den virtuellen Seiten der Vermittlungsagenturen oder der Reproduktionskliniken gewählt werden: Eizellspende oder Leihmutter, eine Schwangerschaft jenseits der Wechseljahre oder Geschlechtsselektion?

Künstliche Befruchtung und LeihmutterschaftDie Fortpflanzungsmedizin als Teilbereich der Frauenheilkunde hat in den vergangenen Jahren sehr hilf- und segensreich gewirkt. Für Ärzte wird Kinderlosigkeit immer wieder als Krankheit erfahrbar. Patientinnen reagieren langfristig - häufig ein Leben lang - mit starken somatischen und psychischen Störungen auf die ungewollte Kinderlosigkeit. In dieser Situation vertrauen sich Frauen und Paare den Ärzten an mit der Hoffnung, sie könnten ihnen zu dem Glück verhelfen, das sie herbeisehnen. Es ist unsere Aufgabe, mit unserer Forschung und unseren Kenntnissen vielen Paaren den Wunsch nach einem Kind zu erfüllen, gerade auch durch die modernen Verfahren der extrakorporalen Befruchtung. Wir Ärzte vertreten aber in Absprache mit unseren Patientinnen die Meinung, dass es kein Kind um jeden Preis geben kann.

Der Gesetzgeber hat 1991 das Embryonenschutzgesetz erlassen, um möglichen Missbrauchsmöglichkeiten wie Leihmutterschaft und Klonen vorzubeugen. Mit der Schaffung eines zentralen Registers haben die reproduktionsmedizinischen Zentren in Deutschland von sich aus Transparenz geschaffen.

Bedingt durch das stringente Embryonenschutzgesetz - Embryonen dürfen nur im Notfall tiefgefroren werden, wenn ein Embryotransfer aus bestimmten Gründen nicht durchführbar ist - gibt es in Deutschland nur sehr wenige Embryonen, die nicht transferiert werden konnten. Es muss auch klar festgehalten werden, dass es nicht Aufgabe und Selbstverständnis der deutschen Fortpflanzungsmedizin ist, zusätzliche Embryonen zu erzeugen, um sie zum Beispiel für Forschungszwecke zu verwenden.

Bedenken müssen da einsetzen, wo die wenigen überzähligen Embryonen sich den unterschiedlichen Begehrlichkeiten gegenübersehen. Es gibt einen Ermessensspielraum und ein Dilemma, ob man diese verwaisten Embryonen sterben lässt, Embryonenadoption erlauben soll oder sie für embryonale Stammzellenforschung verwendet. Hier muss die Wissenschaft ihr Fachwissen einbringen, die Gesellschaft diskutieren und die Politik entscheiden.

Als entscheidende Bemessungsgrundlage für embryonale Stammzellenforschung muss gelten, dass auf anderem Wege erreichbare wichtige Fortschritte eindeutig nicht in Aussicht stehen. Untersuchungen zum Potenzial von adulten und Nabelschnurblut-Stammzellen, ja selbst die neuesten Forschungen und Ergebnisse auf dem Gebiet der differenzierten Zellen zeigen, dass dieser Abwägungsprozess noch nicht abgeschlossen ist.